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Über diese Webseite

Mit der deutschsprachigen Webseite des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung möchten wir mannigfaltige Stimmen des progressiven Israels hörbar machen. Damit soll eine interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit bekommen, Innenansichten hiesiger Verhältnisse und Kämpfe zu erhalten und lokale Akteure kennenzulernen.

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Glossar

Die im Glossar enthaltenen Einträge erklären kurz zentrale Begriffe, historische Ereignisse, Personen, Institutionen und Organisationen, die auf unserer Webseite erwähnt werden und mit denen LeserInnen, die sich noch nicht intensiv mit dem Thema Israel/Palästina beschäftigt haben, vielleicht nicht vertraut sind. Zusammengenommen bietet das Glossar eine Einführung in die Grundlagen, die zum Verständnis des Themas benötigt werden.

 

Verfasserin: Ursula Wokoeck Wollin

 

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Jabotinsky, Zeev - 

Zeev Jabotinsky — (1880–1940)

in Odessa geboren, Sohn einer bürgerlichen Familie; schloss sich der zionistischen Bewegung an; gründete 1903 die Jüdische Selbstverteidigungsorganisation (in Russland); während des Ersten Weltkriegs (bis 1919) diente er in der britischen Armee (und kam auch in Palästina zum Einsatz), wo er sich an den Bemühungen um die Errichtung einer Jüdischen Legion beteiligte; danach beschäftigte er sich u. a. mit der Ausbildung einer jüdischen paramilitärischen Organisation in Palästina. 1925 kam es zur Spaltung in der Zionistischen Bewegung und Jabotinsky gründete die zionistisch-revisionistische Partei HaTsoha. Diese erhob Anspruch auf das gesamte ursprüngliche Mandatsgebiet, das heißt auch auf das Territorium des heutigen Jordaniens, forderte eine aggressivere Haltung gegenüber der britischen Mandatsregierung und vertrat bürgerliche (nicht sozialistische) Positionen. 1930 ließen die britischen Behörden Jabotinsky nach einem Auslandsaufenthalt nicht nach Palästina zurückkehren. Vom Ausland aus organisierte er die Errichtung der paramilitärischen Organisation Etzel/Irgun im Jahr 1931.

- Synonyms: Zeev Jabotinsky, Zeev Jabotinskys
Jesch Atid - 

Jesch Atid

(hebräisch für: Es gibt eine Zukunft) eine 2012 von dem Journalisten Yair Lapid gegründete Partei, die sich als Zentrumspartei der säkularen (oberen) Mittelschicht versteht. Bei den Knesset-Wahlen 2013 gewann sie 19 Sitze (von 120) und beteiligte sich an Benjamin Netanjahus rechter Regierungskoalition. Bei den Wahlen 2015 erzielte sie elf Sitze und blieb (bisher) in der Opposition.
Jescha-Rat - 

Jescha-Rat

(hebräisch: Mo’ezet Jescha) ist der Rat der Siedler*innen in den besetzten palästinensischen Gebieten, wobei Jescha das hebräische Akronym von „Judäa, Samarien und Gaza[streifen]“ ist. „Judäa und Samarien“ ist die vor allem innerhalb der israelischen Rechten übliche Bezeichnung für die Westbank. Der Ende der 1970er Jahre gegründete Jescha-Rat wurde in vieler Hinsicht zur Nachfolgeorganisation von Gusch Emunim. Er ist eine Art Lobby und Selbstverwaltungsrat der Siedler*innen und kümmert sich um ihre Sicherheit, die Förderung von Bauvorhaben sowie die Berücksichtigung ihrer Interessen in Regierungs- und Parlamentsentscheidungen. Unter den Vorsitzenden des Rats war auch Naftali Bennett (2010–2012), der anschließend den Parteivorsitz von HaBajit HaJehudi übernahm.
Jewish Agency - 

Jewish Agency

Das 1908 in Palästina von der Zionistische Weltorganisation eingerichtete Exekutivkomitee wurde 1929 zu einer eigenständigen Institution, die Jewish Agency für Palästina, die die Leitung des zionistischen Gemeinwesens zur Aufgabe hatte. David Ben-Gurion war seit 1935 ihr Vorsitzender. In dieser Funktion rief er 1948 den Staat Israel aus. Nach der Staatsgründung wurde die Organisation in Jewish Agency für Israel umbenannt und fördert seitdem insbesondere die jüdische Einwanderung nach Israel.
Jischuw - 

Jischuw

(hebräisch für: Siedlung) bezeichnet das zionistisch-jüdische Gemeinwesen in Palästina vor der Staatsgründung 1948.

- Synonyms: Jischuws
Jordantal - 

Jordantal

Der Begriff bezeichnet i. d. R. das Flusstal vom See Genezareth bis zum Toten Meer, das durch sehr fruchtbaren Boden gekennzeichnet ist. Über einen Großteil der Strecke markiert der Fluss ungefähr die Grenze zwischen Jordanien und Israel (bis zur Umgebung von Beit Sche’an) und weiter südlich: zwischen Jordanien und der von Israel besetzten Westbank. Die israelische Besiedlung des Jordantals in der Westbank begann gleich nach dem Krieg von 1967 (meist Kibbuzim und genossenschaftlich organisierte landwirtschaftliche Moschawim). Durch die Siedlungen und andere Maßnahmen (etwa die Einrichtung militärischer Sperrgebiete) sind über 80 Prozent des Gebiets für Palästinenser*innen heute nicht mehr zugänglich. Für weitere Informationen auf Englisch siehe etwa: www.btselem.org/jordan_valley.
Judaisierung - 

„Judaisierung"

Im israelisch-hebräischen öffentlichen Diskurs verwendeter Begriff für die gezielte und/oder geförderte Anhebung des jüdischen Bevölkerungsanteils in Teilen des Landes, in denen mehrheitlich oder relativ viele nicht jüdische Menschen leben. So wird zum Beispiel die Gründung von über 20 neuen jüdischen Ortschaften in Galiläa in den Jahren 1979–1980 als ein Projekt der “Judaisierung von Galiläa” bezeichnet.
Jüdischer Nationalfonds - 

Jüdischer Nationalfonds

Eine 1901 auf dem 5. Zionistischen Kongress gegründete Organisation mit der Zielsetzung, Land für jüdische Besiedlung in Palästina zu erwerben und dieses zu entwickeln. In den ersten Jahren nach der Staatsgründung 1948 übertrug der israelische Staat mehr als die Hälfte des enteigneten Landes, das zuvor Palästinenser*innen gehört hatte, die nun als „Abwesende“ galten, an den jüdischen Nationalfonds. Das hatte zur Folge, dass dieses Land nur an jüdische Pächter*innen vergeben werden konnte. 1953 wurde die Organisation aufgelöst und als israelische Organisation neu gegründet. 1960 wurde das Land der Organisation in die Verwaltung der neu errichteten Israel Land Administration (ILA) überführt, wofür die Organisation ein Mitspracherecht in der Behörde erhielt und so sicherstellen konnte, dass die Nutzungsbeschränkungen (die Vergabe an ausschließlich jüdische Pächter*innen) beibehalten wurden. Neben Entwicklungsprojekten (etwa Aufforstung) fördert die Organisation seit Mitte der 1960er Jahre jüdische Siedlungsprojekte im Negev (die oft ein Teil der Politik der Verdrängung der dortigen beduinischen, palästinensischen Bevölkerung sind) und seit 1967 auch in den besetzten Gebieten.

- Synonyms: Jüdischen Nationalfonds
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