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Mit der deutschsprachigen Webseite des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung möchten wir mannigfaltige Stimmen des progressiven Israels hörbar machen. Damit soll eine interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit bekommen, Innenansichten hiesiger Verhältnisse und Kämpfe zu erhalten und lokale Akteure kennenzulernen.

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Demonstration der "Black Panthers" in Tel Aviv am 1.Mai, Tel Aviv, 1973 (Foto:GPO)

Zwischen Ost und West - Die Mizrachim

"Orientale" Juden machen etwa die Hälfte der jüdischen Bevölkerung in Israel aus – werden von den Machtzentren im Land häufig ausgeschlossen. Welche Rolle spielt die Mizrahi-Identität immer noch in der Politik?

Zvi Ben-Dor Benite

I.

Eine der wichtigsten sozialen Fragen in Israel ist die Tatsache, dass es Mizrachim[1] („Orientale“) gibt. Mizrachim – eine Art Codewort für die Zugehörigkeit von Menschen zu irgendeiner vermeintlichen orientalischen Welt – machen etwa die Hälfte der Bevölkerung aus, die der israelische Staat als jüdisch definiert, und lange Zeit stellten sie die Mehrheit.[2] Die Existenz einer Gruppe von Menschen, die als Mizrachim identifiziert werden, ist schon an und für sich eine interessante und wichtige Anomalie. Die zionistische Ideologie vertrat von Anfang an zwei wesentliche Prinzipien: Erstens sind die Juden ein Volk und werden es auch immer bleiben. Zweitens: Die jüdischen Menschen, die nach Israel kommen, werden zu „neuen Jüdinnen und Juden“ oder Israelis. Das heißt, sie streifen ihre frühere Identität ab und entwickeln eine neue einheitliche Identität, eine israelische oder zionistische. Das erste Prinzip bedarf keiner weiteren Erläuterung. Zwar gab es seit Beginn der Neuzeit unter jüdischen Denkern scharfe Auseinandersetzungen über die Frage, ob die Juden ein Volk sind, aber nur wenige bestritten tatsächlich, dass sie es sind. Auch die Mizrachim in Israel akzeptieren den Grundsatz, dass alle Jüdinnen und Juden zu einem Volk gehören und damit auch zu einer Nation.

Beim zweiten Prinzip verhält es sich anders, und dies ist für die Frage der Mizrachim von Bedeutung. In der zionistischen Rhetorik der israelischen Führungselite kommt immer wieder die feste Erwartung zum Ausdruck, dass die aus der ganzen Welt nach Israel kommenden Jüdinnen und Juden ihre verschiedenen kulturellen Prägungen und Vergangenheiten hinter sich lassen und sich in eine einheitliche Gemeinschaft von Israelis oder neuen zionistischen Juden/Jüdinnen verwandeln. Hier soll nur ein recht eklatantes Beispiel angeführt werden: In einem Interview mit dem Life Magazine im Jahr 1957 erklärte Ben-Gurion, dass die israelische Armee aus dem Irak, aus Kurdistan, Marokko und anderen Ländern kommende „arabische Wilde“ rekrutiere und diese die Armee später als „Israelis“ verließen.[3] Der Zionismus verstand sich immer als kulturell revolutionäre Bewegung, die jüdische Menschen verändert und sie einheitlich in neue Jüdinnen und Juden verwandelt. Es ist überflüssig zu erklären, warum diese Rhetorik für eine Gesellschaft, die sich mit ihrer Umgebung im ständigen Konflikt befindet, sehr wichtig ist. Einheitlichkeit bedeutet Einheit.

Immigrationslager yeminitischer Einwanderer, Rosh Ha'ayin, Israel, 1950.

Immigrationslager jeminitischer EinwanderInnen, Rosh Ha’ayin, Israel, 1950.

 

Darüber hinaus ist die einheitliche jüdische Gesellschaft, die in Israel entstehen soll(te), explizit eine westliche beziehungsweise europäische. Alle Gründerväter des Zionismus und alle führenden Persönlichkeiten in Israel haben stets betont, dass die israelische Gesellschaft eine westliche sei, mit europäischen kulturellen Normen. Es handelt sich hierbei natürlich um mehr als nur theoretische Überlegungen. Diese Konzeption wurde und wird in Israel verwirklicht, und zwar nicht nur in der Armee, sondern etwa auch im staatlichen Bildungssystem. Demnach ist die Existenz einer Gruppe von Menschen, die sich selbst als Mizrachim definieren, ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas grundlegend schiefgegangen ist oder sich anders, als von den Gründervätern der neuen israelischen Nation geplant, entwickelt hat. Um zu verstehen, warum sich ein recht großer Teil der jüdischen Bevölkerung Israels selbst in der dritten und vierten Generation anders begreift, als von den Gründerväter der zionistischen Bewegung und ihrer Nachfolger vorgesehen, bedarf es eines mehrdimensionalen Erklärungsansatzes. Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte vorgestellt und erörtert.

Wer sind die Mizrachim? Es ist fraglos schwierig, klar zu sagen, wer die Mizrachim sind. Zum einen weiß jede und jeder in Israel sofort, wer ein Mizrachi ist. Zum andern ist eine eindeutige Definition der Mizrachim unmöglich. Wenn wir im heutigen Hebräisch den Begriff Mizrachim verwenden, meinen wir im Allgemeinen alle aus Asien und Afrika nach Israel eingewanderten Jüdinnen und Juden und ihre Nachkommen. „Aus Asien und Afrika Stammende“ ist auch die offizielle Definition des israelischen Zentralamts für Statistik. Im Gegensatz dazu werden aus Europa stammende Menschen im israelischen Hebräisch Aschkenasim genannt. (Im Mittelalter war Aschkenas der hebräische Begriff für Südfrankreich und Süddeutschland und die Juden, die dort lebten, wurden Aschkenasim genannt. Im Laufe der Zeit wurde dies zur allgemeinen Bezeichnung von Juden in Europa). Die Definition von Mizrachim als „aus Asien und Afrika Stammende“ ist die umfassendste und wahrscheinlich auch beste, weil alle anderen Versuche, diese Bevölkerungsgruppe zu definieren, problematisch sind.

Das beginnt mit simpler Geografie: Ein großer Teil der Mizrachim kommt aus Ländern, die geografisch gesehen westlich von Israel liegen. Marokkanische, tunesische und algerische Jüdinnen und Juden sind mit einer Region verbunden, die auf Arabisch Maghreb (Westen) heißt. Mit anderen Worten: Es handelt sich hierbei überhaupt nicht um den Osten oder den Orient. Darüber hinaus gibt es bulgarische oder türkische Jüdinnen und Juden, die sich als Mizrachim definieren, obwohl sie aus Gegenden kommen, die geografisch zu Europa gehören. Zudem ist es auch sehr schwierig, aus Äthiopien stammende Israelis einzuordnen. Sie kommen zwar aus Afrika, aber nicht aus dem arabischen „weißen“ Nordafrika, aus dem viele der Mizrachim stammen.

Eine kulturbezogene Definition birgt auch ihre Schwierigkeiten. Die überwältigende Mehrheit der Mizrachim kommt aus arabischen Ländern (Marokko, Ägypten, Irak, Libyen, Libanon, Syrien, Jemen usw.). Es gibt aber auch kurdische, persische, türkische und andere Jüdinnen und Juden, deren Kultur und Sprache nicht arabisch ist. Darüber hinaus trifft es zwar zu, dass die meisten Mizrachim aus muslimisch geprägten Ländern nach Israel kamen, aber auch dies ist nicht immer der Fall. Menschen aus Indien und Georgien zum Beispiel zählen ebenfalls zu den Mizrachim.

Der Versuch, die Mizrachim unter Bezugnahme auf die jüdische religiöse Tradition zu definieren, ist genauso problematisch. Mitunter wird gesagt, dass alle Mizrachim die „sephardische“ halachische Tradition (im Gegensatz zur aschkenasischen, die sich in Europa entwickelt hat) teilen. Auf den ersten Blick scheint diese Aussage richtig, aber auch sie ist höchst problematisch. Jede Gruppe unter den Mizrachim versucht, mit mehr oder minder großem Eifer ihre eigenen religiösen Rituale und Praktiken zu bewahren. Der Versuch des Staats, alle Mizrachim an einen religiösen Rahmen zu binden, ist letztendlich gescheitert. Jede/r liebt ihren/seinen Rabbiner und ihre/seine eigenen Gebräuche. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass es viele Mizrachim gibt, die säkular sind oder die religiösen Gesetze nicht wirklich einhalten.

Schließlich gibt es zumindest seit den 1970er Jahren den Versuch, Mizrachim mit Bezugnahme auf ihre soziale Klasse zu definieren. Schon seit der Gründung des Staates Israel gehören Mizrachim zu den unteren sozialen Schichten. Nach offiziellen Statistiken liegt das Durchschnittseinkommen von Mizrachim zwischen 20 und 40 Prozent unter dem von Aschkenasim. Mizrachim haben oft eine schlechtere Schul- und Berufsausbildung als Aschkenasim, und die Mehrheit derjenigen, die in den Randgebieten Israels leben, sind Mizrachim. Aber auch hier sollten die Unterschiede nicht absolut gesetzt werden. Es gibt auch viele Nicht-Mizrachim, die zu den unteren sozialen Schichten gehören, und es finden sich auch Mizrachim in den obersten Schichten.

Statt einer Definition können hier die folgenden Informationen über die Mizrachim festgehalten werden: Ein Teil von ihnen kommt aus östlich gelegenen Gebieten, aber auf etwa die Hälfte von ihnen trifft das nicht zu. Mit wenigen Ausnahmen stammen sie alle aus asiatischen und afrikanischen Ländern. Ein Großsteil von ihnen kommt aus arabischen Ländern, aber es gibt auch viele, bei denen dies nicht der Fall ist. Fast alle stammen aus dem muslimischen Kulturraum, aber es gibt auch einige Ausnahmen. Fast alle gehören in einer oder anderen Form der sephardischen religiösen Tradition an, aber es ist unklar, wie genau; und es ist unklar, was diese Tradition überhaupt ist. Ein großer Teil der Mizrachim gehört zu den unteren sozialen Schichten, aber nicht alle.

Die hier dargestellten Schwierigkeiten helfen, den grundlegenden Punkt in der Definition der Mizrachim zu verstehen. Vielleicht vermutet der eine oder die andere LeserIn bereits, dass es hier eine verdeckte Differenz gibt zwischen dem, was als Geschichte des Zionismus und Israels präsentiert wird, und dem Selbstverständnis des Kollektivs, das wir Mizrachim nennen. Mit anderen Worten: Wenn es Israel nicht gäbe, würden sie sich auf verschiedene Weisen definieren: als AsiatInnen, NordafrikanerInnen, Sephardim, IrakerInnen, KurdInnen usw., aber nicht als Mizrachim. Es ist deshalb zu betonen: Die Mizrachim sind eine israelisch-jüdische Gruppe, die in Israel entstanden ist, in der israelischen Realität, als Folge von spezifischen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, politischen und religiösen Entwicklungen. Diese Gruppe zieht es aus verschiedenen Gründen vor, sich als „Mizrachi“ („orientalisch“) zu bezeichnen. Deshalb ist es auch schwierig, ihr klare ethnische oder kulturelle Merkmale zuzuordnen, obwohl es durchaus weitgehende kulturelle Überlappungen zwischen den meisten ihrer Untergruppen gibt.

Operation Fliegender Teppich, Transport von etwa 49.000 jemenitischen Juden nach ISrael, 1949. (credit: GPO)

„Operation Fliegender Teppich“, Transport von etwa 49.000 jemenitischen Juden und Jüdinnen nach Israel, 1949. (Foto: GPO)

 

Der Ursprung des „Mizrachi-Seins“ (oder „Orientalisch-Seins“) im wörtlichen Sinne liegt eigentlich in der Art und Weise, wie die Gründerväter des Zionismus die Welt in „West“ und „Ost“ (Orient) einteilten. Wie erwähnt, begriffen sie den Zionismus als eine europäische Bewegung und die neuen Juden und Jüdinnen, die sie schaffen wollten, als westliche Menschen. Mit dem „Orient“ war für sie wie für viele EuropäerInnen am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts etwas Barbarisches und Wildes verbunden, der „Orient“ gehörte zu Asien. Der erwähnten Darstellung Ben-Gurions aus dem Jahr 1957 lässt sich noch Theodor Herzls berühmte Bemerkung von Ende des 19. Jahrhunderts hinzufügen: „Für Europa würden wir dort ein Stück des Walles gegen Asien bilden, wir würden den Vorpostendienst der Cultur gegen die Barbarei besorgen“.[4] Dementsprechend wurden alle Jüdinnen und Juden, die nicht in europäischen Ländern lebten, als Teil ebenjener orientalischen Welt gesehen. Als Juden und Jüdinnen waren sie zumindest in der Theorie ein Teil der jüdischen Nation und des zionistischen Projekts, obwohl in den Anfängen des Zionismus keine wirkliche Absicht bestand, sie nach Palästina zu bringen. Als Mizrachim im Sinne von Orientalen wurden sie als Menschen gesehen, deren Verwandlung in „neue Jüdinnen und Juden“ auch die Komponente ihrer Umwandlung in westliche Menschen umfasst.

So kam es, dass alle, die aus Asien und Afrika nach Israel und davor in den zionistischen Jischuw in Palästina kamen, von vornherein als Mizrachim betrachtet wurden, auch wenn sie sich selbst nicht als solche verstanden. Da die ganze Welt in Ost/Orient und West aufgeteilt war, sahen sich auch asiatische und nordafrikanische Jüdinnen und Juden als Mizrachim. Aber ihr Verständnis des Ostens/Orients war ganz anders als das der Gründerväter des Zionismus. HistorikerInnen haben jüngst gezeigt, dass jüdische Intellektuelle aus Asien und Afrika, die sich mit dem Zionismus schon frühzeitig kritisch auseinandergesetzt hatten, sich selbst als Mizrachim begriffen. Sie erklärten sich mit dem zionistischen Hauptziel einverstanden, lehnten jedoch den inhärenten westlichen Ansatz ab und insbesondere die damit verbundene Einstellung gegenüber der arabischen, muslimischen und asiatischen Welt. In dieser kurzen Abhandlung ist es nicht möglich, auf alle Nuancen dieses kritischen Ansatzes einzugehen. Es lässt sich aber festhalten, dass diese Mizrachim damals nicht die Auffassung teilten, dass das zionistische Projekt das Ziel habe, einen westlichen Staat zu schaffen.

Im Folgenden konzentriere ich mich auf die aus arabischen Ländern stammenden Jüdinnen und Juden, die die größte Untergruppe der Mizrachim bilden.

Aus der europäischen orientalistischen Aufteilung der Welt in eine westliche und eine östliche ging bereits im 19. Jahrhundert der Begriff hervor, mit dem sich die Mizrachim schließlich selbst bezeichnen sollten. Die Herausbildung dieser Gruppe erfolgte in einem langen historischen Prozess, dessen Wurzeln bis in die Anfänge des Zionismus zurückreichen, der aber vor allem eng mit der Geschichte des israelischen Staats verbunden ist. Wie bereits erwähnt, waren im „Orient“ lebende Jüdinnen und Juden in den Augen der Gründerväter des Zionismus keine geeigneten KandidatInnen für die Einwanderung nach Palästina und den Aufbau des jüdischen Staats dort. Das zionistische Hauptaugenmerk lag auf den in Europa lebenden Juden und Jüdinnen. Nur sie hofften die Zionisten vor dem wachsenden Antisemitismus und Nationalismus zu retten; und nur sie verkörperten die europäische Zukunft des neuen Staates. Im „Orient“ lebende Juden und Jüdinnen waren also ursprünglich nicht die Zielgruppe des Zionismus, und konkrete Pläne, sie in den jüdischen Staat zu bringen, nahmen erst Gestalt an, als das Ausmaß der Katastrophe in Europa klar zu werden begann. In den arabischen und muslimischen Ländern gab es fast keine zionistischen Aktivitäten. Die zionistische Bewegung war in der Regel nicht darauf aus, Juden/Jüdinnen von dort nach Palästina zu holen. Generell kann gesagt werden, dass die Einstellung der zionistischen Bewegung gegenüber den im „Orient“ lebenden Jüdinnen und Juden, instrumentell war. Da sie als nicht zionistisch oder kulturell unterentwickelt galten, wurde ihre Einwanderung nach Palästina bzw. Israel nur gefördert, insofern dies den praktischen Erfordernissen des modernen jüdischen Staates entsprach.

Bis zur Gründung des Staates Israel lebten die Mizrachim, etwa eine Million Menschen, als mehr oder weniger tolerierte und mehr oder weniger integrierte religiöse Minderheiten in verschiedenen Ländern Nordafrikas oder des Nahen und Mittleren Ostens. Wie gesagt, gab es keine Bemühungen vonseiten der zionistischen Bewegung, ihre Einwanderung zu fördern. Es gab auch kaum Faktoren in den arabischen und muslimischen Gesellschaften, in denen sie lebten, die sie zur Auswanderung bewogen hätten. Die jüdische Bevölkerung in diesen Ländern war durch eine große Bandbreite an unterschiedlichen Sozialisations- und Integrationsformen gekennzeichnet: Einerseits gab es in allen arabischen Metropolen wie Bagdad, Kairo und Beirut eine Schicht von gebildeten säkularen Juden und Jüdinnen, die voll in das politische Leben des Landes integriert waren. Andererseits gab es in allen arabischen Ländern auch viele mehr traditionelle jüdische Bevölkerungsgruppen, die in separaten Vierteln lebten und nur in das wirtschaftliche Leben der sie umgebenden Gesellschaft integriert waren.

Die Situation änderte sich dramatisch nach der Verabschiedung der UNO-Resolution vom 29. November 1947, dem sogenannten Teilungsplan. Die zunehmende Gewalt in Palästina und die Gründung des jüdischen Staates (1948) inmitten des Konflikts mit den arabischen Welt setzten die jüdischen Bevölkerungen in diesen Ländern einem unerträglichen Druck aus. Über Nacht wurden sie zu Feinden der arabischen Welt, in der sie lebten, und zwangsweise zu BürgerInnen des jüdischen Staats, der als fremdes und bedrohliches Implantat in jener Welt empfunden wurde. Andererseits brauchte der neue jüdische Staat nach dem Holocaust und der Ermordung von sechs Millionen Menschen dringendst jüdische EinwandererInnen zur Besiedlung des Landes und begann deshalb eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen, um die im „Orient“ lebenden Juden und Jüdinnen zur Einwanderung nach Israel zu bewegen. Dieser Druck von zwei Seiten führte dazu, dass die meisten Jüdinnen und Juden aus den arabischen Ländern innerhalb von zwei Jahrzehnten auswanderten. Zwischen 1949 und 1967 (in der Regel immer direkt nach einem der arabisch-israelischen Kriege, das heißt in den Jahren 1948, 1956 und 1967) verließen mehr als 90 Prozent der in Nordafrika und dem Nahen und Mittleren Osten lebenden Jüdinnen und Juden ihre Heimatländer und zogen nach Israel. Ein kleiner Prozentsatz, in der Regel ein Teil der Elite, entschied sich zu bleiben, und ein noch kleinerer Teil, auch hier die Elite, entschied, in die Metropolen der Imperien auszuwandern, die die Region beherrschten, insbesondere nach Paris und London. Aber die meisten kamen nach Israel. Auf die Bedeutung, die dieser dramatische Prozess für die Gesellschaften in der arabischen Welt hatte, kann hier nicht eingegangen werden. Aber es ist klar, dass der Weggang der Jüdinnen und Juden die Geschichte dieser Gesellschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mitunter entscheidend beeinflusst hat. Bis heute wird über die Umstände und die Bedeutung der Auswanderung dieser Jüdinnen und Juden kontrovers diskutiert, insbesondere in Anbetracht der palästinensischen Flüchtlingsfrage. Aber dies ist ein Thema für einen anderen Artikel.

 

III.

Die Einstellung der zionistischen Bewegung gegenüber den Mizrachim war wie gesagt von vornherein instrumentell. Sie wurden nicht als Menschen betrachtet, die zum Aufbau der neuen jüdischen Gesellschaft einen wertvollen Beitrag leisten würden. Ihre Einwanderung nach Israel war in erster Linie einer demografischen Notwendigkeit geschuldet. Der neue Staat brauchte jüdische BürgerInnen. Es ist wichtig, auf diese grundlegende instrumentelle Haltung hinzuweisen, da sie nicht nur großen Einfluss darauf hatte, wie die aus dem „Orient“ stammenden Jüdinnen und Juden nach Israel kamen und in die israelische Gesellschaft integriert wurden, sondern bis heute deren Leben und das ihrer Nachkommen weitgehend bestimmt. Sie fand Eingang in eine Politik, die von Mizrachim eine „Anpassung“ an das zionistische Modell des „neuen Juden“ verlangte, manchmal sogar mit gewaltsamen Mitteln. Diese Einstellung ist auch die Grundlage für die Entstehung der als Mizrachim bekannten Gruppe sowie ihrer sozialen Platzierung: am unteren Rand der jüdischen Gesellschaft, aber über den palästinensischen BürgerInnen Israels. In den letzten Jahren haben viele Studien gezeigt, dass diese rassistische Haltung gegenüber den aus Asien und Afrika stammenden Juden und Jüdinnen, die schon vor der Staatsgründung die zionistische Bewegung prägte, eine Reihe von Mechanismen und Institutionen hervorgebracht hat, die auf eine Segregation abzielten, sei es auf dem Arbeitsmarkt oder in den Siedlungsstrukturen, sei es im Bildungs-, Gesundheits- und Kulturwesen. Man/frau verweigerte den Mizrachim den Zugang zu zentralen Ressourcen und Einnahmequellen. Erst dieses System von diskriminierenden Institutionen und Praktiken ließ die große soziale Gruppe der Mizrachim entstehen und formt bis heute, selbst nach so vielen Jahren, ihre Identität.

Das erste Element in diesem mehrdimensionalen System ist die Gestaltung der Einwanderung nach Israel. Auch wenn es ihm nicht immer gelang, versuchte der israelische Staat, die Einwanderung der Mizrachim nach Israel streng zu kontrollieren. Dazu dienten unter anderem bilaterale Abkommen mit arabischen Staaten. Waren die Menschen erst einmal im Land, durften sie sich nicht einfach irgendwo niederlassen. Der israelische Staat bestimmte, wie die NeueinwandererInnen zu leben hatten. Die Besiedlung des Landes war der leitende Grundsatz der Absorptionspolitik. Mizrachim, die in den 1950er Jahren nach Israel kamen, wurden beispielsweise in Durchgangslagern untergebracht, ihre Bewegungsfreiheit war weitgehend eingeschränkt. Diese Lager befanden sich in Galiläa und im Negev, also in Gebieten, die an Gegenden mit mehrheitlich palästinensischer Bevölkerung angrenzten, sowie in Gebieten entlang den neu geschaffenen Grenzen zum Libanon, zu Jordanien, Syrien und Ägypten. Es ging darum, dort eine jüdische Präsenz sicherzustellen. Auch in Jerusalem wurden Mizrachim gezielt in Teilen der Stadt angesiedelt, die an palästinensisch/jordanische Gebiete angrenzten. Diese Politik wurde auch nach 1967 fortgesetzt, mit ihr entstand die bis heute das Land prägende Zentrum-Peripherie-Struktur. Auch die Ansiedlung von Mizrachim in den zentralen Regionen des Landes folgte diesem Muster. In Haifa und Tel Aviv-Jaffa bestand die Tendenz, Mizrachim in ehemalig palästinensischen Gebieten anzusiedeln, wie Wadi Salib und Wadi Nisnas in Haifa oder Manshiya und Abu Kabir in Tel Aviv-Jaffa, oder es wurden Armutsviertel statt Durchgangslager errichtet.

 

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Caduri Halif steht zwischen den Trümmern seines von den israelischen Behörden zerstören Hauses im Givat Amal Viertel im Norden von Tel Aviv, 18. September 2014. Von den Zwangsräumungen waren 20 Menschen betroffen, die nun ohne Obdach und ohne Kompensationen oder Wohnalternativen dahstehen. Die Bewohner, die vom Staat Israel 1947 dort angesiedelt worden waren, haben einen langen Kampf für die Annerkennung ihrer Rechte und Wohnungen geführt, die 1970 privatisert und an Investoren verkauft wurden. (Foto: Activestills)

 

Die meisten Mizrachim, so das Ergebnis von Studien, mussten viele Jahre in den Lagern verbringen, bevor sie in dauerhafte Unterkünfte umziehen konnten, die entweder in den Randgebieten des Zentrums oder weit davon entfernt lagen. Im Gegensatz dazu betrug die Verweildauer von MigrantInnen aus Europa in den Übergangslagern im Durchschnitt ein halbes Jahr. Bereits in der staatlichen Ansiedlungspolitik fand eine Diskriminierung und Herabsetzung der Mizrachim gegenüber den aschkenasischen Juden statt, die sich im Laufe der Jahre verfestigt hat und bis heute fortwirkt. Andererseits ermöglichte diese Politik, die Wohngebiete mit recht homogener Bevölkerung schuf, auch die spätere Herausbildung einer kollektiven Identität. So kamen Menschen aus Marokko, aus dem Irak oder dem Iran, Menschen, die zuvor in Städten gelebt hatten, und solche, die aus eher ländlichen Gegenden kamen, Menschen, unter denen es sehr große kulturelle Unterschiede gab, in den Armutsvierteln der Großstädte und in neuen Siedlungen in den israelischen Grenzgebieten zusammen und wurden zu Mizrachim.

Nach dem Krieg von 1967 änderte sich die israelische Siedlungspolitik in einigen Bereichen. In Jerusalem zum Beispiel wurden viele Mizrachim dazu gebracht, aus dem westlichen Teil der Stadt und den dort gelegenen ehemaligen Randgebieten in die großen Stadtviertel zu übersiedeln, die jenseits der Grünen Linie gebaut wurden. Daraufhin durchliefen die Viertel im westlichen Teil der Stadt einen beschleunigten Prozess der Gentrifizierung. Aufgrund der Anreize, die die israelische Regierung denjenigen bietet, die jenseits der Grünen Linie leben, zog es auch immer mehr Mizrachim aus anderen Teilen Israels in „nicht ideologische“ Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten. So entstanden dort Städte, wo inzwischen vor allem Mizrachim leben, wie zum Beispiel Ma’ale Adumim, östlich von Jerusalem, Richtung Jordantal.

Auch auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssystem ist den Mizrachim von Anbeginn eine besondere Position zugewiesen worden. Die staatliche Politik drängte Mizrachim in Berufe mit einem hohen Anteil manueller Arbeit und mit in der Regel einer eher schlechten Bezahlung. Auch heute noch sind amtlichen Statistiken zufolge überproportional viele Mizrachim in Bereichen tätig, die große körperliche Anstrengungen verlangen. Sie verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als Aschkenasim. Ihr Ausbildungsniveau ist oft niedriger, wodurch ihr sozialer Aufstieg verhindert wird. Im Allgemeinen lenkte die israelische Regierung die neu aus dem „Orient“ eingewanderten Arbeitskräfte bevorzugt in die Landwirtschaft – in winzige private Betriebe (im Gegensatz zu den Kibbuzim, die exklusive aschkenasische Siedlungsprojekte waren und es zu einem gewissen Grad immer noch sind) – und in die Industrie. Das Schulsystem war so ausgerichtet, dass es die SchülerInnen auf eine spätere Beschäftigung in Fabriken oder auf dem Bau vorbereitete. Das Gros der Industrieanlagen entstand damals in den Randgebieten Israels.

In der heutigen Ära, geprägt von Globalisierung und dem Übergang hin zu einer postindustriellen Gesellschaft, leiden viele Mizrachim unter der Schließung von Fabriken, die in andere Länder mit niedrigeren Lohnkosten verlegt werden. Viele haben Berufe gelernt, die heute nicht mehr benötigt werden. Viele konkurrieren zudem mit billigen Arbeitskräften, die aus verschiedenen asiatischen Ländern nach Israel importiert werden. Es ist jedoch auch bemerkenswert, dass nach dem Krieg von 1967, infolge dessen viele PalästinenserInnen aus den besetzten Gebieten als billige Arbeitskräfte zur Verfügung standen, der Lebensstandard vieler Mizrachim insbesondere in den Städten im Zentrum des Landes gestiegen ist. Eine beträchtliche Zahl von Mizrachim, die zuvor auf dem Bau, in landwirtschaftlichen Kleinbetrieben oder als Mechaniker gearbeitet hatten, konnte deswegen sozial aufsteigen, weil sie zu Kleinunternehmern wurden und nun auch andere für sich arbeiten ließen. Diese Entwicklung führte zur Entstehung einer Mittelschicht unter den Mizrachim. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass diese soziale Gruppe sich kulturell stark von den israelischen Eliten unterscheidet, auch bezüglich des Einkommens.

Ebenso wie die Geografie hat das System der sozialen Schichtung in Israel den Prozess der Identitätsbildung stark befördert. Dass die aus Algerien, Jemen, Ägypten und Indien eingewanderten Juden und Jüdinnen auf den Feldern und in den israelischen Industriebetrieben aufeinandertrafen und Seite an Seite arbeiteten, führte zu ihrem Selbstverständnis als Mizrachim.

Wie bereits erwähnt, war der Zionismus als eine kulturell-revolutionäre Bewegung darauf aus, einen „neuen Juden“ nach europäischem Muster hervorzubringen. Dies prägte das Bildungssystem und alle Bereiche, die mit Fragen der Kultur zu tun haben. Der Kultur und Geschichte der Mizrachim werden in den offiziellen Schulbüchern in Israel vergleichsweise wenig Platz eingeräumt. Zudem ist ihre Darstellung in der Regel wenig vorteilhaft. Trotz vieler Auseinandersetzungen um eine andere kulturelle Repräsentation in den letzten Jahren und der Bemühungen verschiedener israelischer Regierungen, den Mizrachim einen prominenteren und angeseheneren Platz im israelischen Kulturbetrieb und in den Lehrbüchern zu verschaffen, wird immer noch sehr viel größeres Gewicht auf die Geschichte der europäischen Juden, auf die europäische Kultur und auf aschkenasische KünstlerInnen und Kulturschaffende gelegt. So kam es im Jahr 2014 zu öffentlicher Empörung darüber, dass bei einer neuen Banknotenserie, die DichterInnen gewidmet ist, nicht ein einziger Geldschein mit dem Porträt eines Dichters bzw. einer Dichterin aus dem Kreis der Mizrachim versehen wurde. Zudem gelten Mizrachim in der Regel als traditioneller und religiöser als Aschkenasim (was wohl nicht der Fall ist) und somit als weniger fortschrittlich.

Erfahrungen mit systematischer gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diskriminierung und Reduzierung auf ein religiöses Stereotyp sind zentraler Bestandteil des Bewusstseins von Mizrachim in Israel und fördern die Bereitschaft zu gegenseitiger Solidarität, trotz aller politischen und sozialen Unterschiede.

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Reuven Abergel, Mitbegründer der Schwarzen-Panther-Bewegung zeigt seine Solidarität mit dem Kampf der Geflüchtetenbewegung im Levinsky Park, in der Nähe des Hauptbusbahnhofs in Tel Aviv,  2014. (Foto: Activestills)

 

IV.

Der Ausschluss der Mizrachim von den Zentren der Macht in Israel spiegelt sich auch sehr deutlich in der Knesset und in der Regierung wider. Bis heute waren alle Premierminister in Israel aschkenasisch. In der Regel finden sich auch nur sehr wenige Mizrachim unter den MinisterInnen. Nie war ein Mizrachi (und schon gar keine Mizrachit) Vorsitzender des Likuds, der regierenden Partei. Zwei Mizrachim waren bisher Vorsitzende der Arbeitspartei, aber nur für kurze Zeit, und dies wird eher als Zufall gewertet. Dennoch gilt es hervorzuheben, dass sich Mizrachim intensiv am politischen Leben in Israel beteiligen. Sie werden oft als entschiedenere Falken wahrgenommen, vor allem seit dem Regierungswechsel 1977, als der Likud die Arbeitspartei ablöste. Der Likud unter der Führung von Menachem Begin nutzte die Feindseligkeit vieler Mizrachim gegenüber der Arbeitspartei aus (und tut dies immer noch), denn schließlich hat diese den israelischen Staat aufgebaut und damit auch die Mechanismen der Ausgrenzung der Mizrachim. Die israelische Rechte profitiert auch davon, dass Mizrachim als traditioneller wahrgenommen werden und ihnen somit eine größere Nähe zu Positionen der Rechten unterstellt wird.

Die Wahrnehmung der Mizrachim als Kollektiv, das in erster Linie durch seine Religiosität gekennzeichnet ist, bringt sie in eine politischen und kulturelle Zwickmühle: Es wird von ihnen erwartet, dass sie sich nur mit Politik befassen, die mit religiöser Kultur verbunden ist, und nicht mit Fragen der „hohen“ Politik, die die wirtschaftliche Entwicklung, die auswärtigen Beziehungen oder Frieden und Sicherheit betreffen. Sie sind auch von der Behandlung „allgemeiner“ Fragen hinsichtlich der Zukunft Israels und seines Platzes in der Welt ausgeschlossen. So ist es nicht überraschend, dass die einzigen Parteien von Mizrachim, die in der Knesset und in der Regierung vertreten sind, wie Tami[5] und Schas, religiös ausgerichtet sind und keine umfassende politische Agenda verfolgen. Manchmal scheint es so, als sei die einzig mögliche unabhängige politische Existenz für Mizrachim, die man/frau ihnen zugesteht, sich in einer sektorialen religiösen Partei zu organisieren, die keine Bedrohung für die Zentren der Macht darstellt und sich auch nicht in die allgemeine Politik einmischt.

Bedauerlicherweise steht Mizrachim im gegenwärtigen politischen Klima in Israel noch eine weitere Form der politischen Artikulation offen – und zwar eine rechte, rassistische, die sich gegen die arabische Bevölkerung richtet und besonders betont, dass die Juden ein vereintes Volk sind. Für viele Mizrachim erscheint es attraktiv, sich der neuen israelischen Rechten anzuschließen, weil damit das Versprechen verbunden ist, endlich völlig in das israelische Kollektiv aufgenommen und nicht länger ausgegrenzt und als minderwertig behandelt zu werden.

Es gibt aber auch eine Geschichte von sozialen und politischen Kämpfen im außerparlamentarischen Bereich, in denen sich viele Mizrachim links positioniert haben. Der erste Aufstand von Mizrachim gegen ihre Ausgrenzung und Unterdrückung fand bereits im Jahr 1959 in Wadi Salib in Haifa statt und richtete sich vor allem gegen die Wohnungsnot und erfahrene Diskriminierungen. Neue historische Studien zeigen, dass dieser Aufstand kein vereinzeltes Ereignis war, sondern der Höhepunkt von länger andauernden militanten Auseinandersetzungen in vielen Zentren Israels. Die israelische Regierung schlug den Aufstand mit Gewalt nieder und verfolgte jahrelang seine Anführer. Elf Jahre später rebellierten junge Mizrachim in Stadtvierteln von Jerusalem und gründeten die Schwarze-Panther-Bewegung. Diese Bewegung wandte sich entschieden nach links und später schlossen sich einige der Führungspersonen explizit linken Parteien an. Obwohl sie relativ erfolgreich war, ging auch diese Bewegung an der Repression zugrunde. Spätere im Wesentlichen von Mizrachim getragene Bewegungen wie zum Beispiel die Ohalim-Bewegung[6] neigten dazu, sich auf „soziale“ Probleme zu konzentrieren und kein allgemeines politisches Programm zu formulieren. Weil sich die Machtzentren davon nicht bedroht sahen, überlebten sie länger, hatten jedoch außerhalb ihres unmittelbaren lokalen Umfelds kaum irgendeinen Einfluss.

Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Größe sind die Mizrachim aber die soziale Gruppe in Israel, die über das größte Potenzial verfügt, im Land politische Veränderungen herbeizuführen. Sie ist eine sehr diverse und dynamische Gruppe, die noch immer nach ihrem Platz in Israel und darüber hinaus im Nahen Osten sucht.

 

Zvi Ben-Dor Benite wurde 1966 in West-Jerusalem geboren. Seine aus dem Irak stammenden Eltern kamen in den 1950er Jahren nach Israel. Als Mizrachi-Jugendlicher wurde er schon früh zu einem sozialen und politischen Aktivisten. Er kämpft seitdem gegen die Besatzung in den 1967 besetzten Gebieten und die Enteignung der PalästinenserInnen sowie für soziale Gerechtigkeit für Mizrachim in Israel. Diese beiden Themen, über die er heute hauptsächlich schreibt, sind für ihn untrennbar miteinander verbunden.

Ben-Dor Benite ist Professor für Geschichte, Nahost- und Islamwissenschaften und leitet die Nahost- und Islamwissenschaften an der New York Universität (NYU). Er gab zusammen mit Moshe Behar den Band „Modern Middle Eastern Jewish Thought: Writings on Identity, Politics, and Culture 1893–1958“ (Brandeis 2013) heraus und ist Autor von „The Ten Lost Tribes: A World History“ (Oxford University Press 2009).

 

(Übersetzt von Ursula Wokoeck Wollin)

 

 

Anmerkungen

[1] Plural des hebräischen Worts „mizrachi“, das „Orientale“ oder „orientalisch“ bedeutet; weiblich: Mizrachit, plural: Mizrachijot. Da es sich um ein Fremdwort handelt, wurde in diesem Artikel durchgehend Mizrachim (statt Mizrachim/Mirachijot) verwendet, um das Lesen zu erleichtern. (Anm. d. Übers.)

[2] Die Mehrheitsverhältnisse änderten sich im Zuge der massiven Einwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion; 1,6 Millionen Menschen im Zeitraum von 1989 bis 2006. (Anm. d. Übers.)

[3] Vgl. Life Magazine, 18.11.1957, S. 154–160.

[4] Herzl, Theodor: Der Judenstaat, Leipzig/Wien 1896, unter: www.deutschestextarchiv.de/book/view/herzl_judenstaat_1896?p=29.

[5] Akronym des hebräischen Namens „Bewegung für das (kulturelle) Erbe Israels“ –Tami war eine von Aharon Abuchazira (zuvor Religionsminister und Bürgermeister von Ramla) 1981 gegründete Partei, deren Mitglieder und WählerInnen überwiegend Mizrachim waren. Sie erhielt durch die Wahlen 1981 drei (von 120) Knesset-Sitzen und durch die Wahlen 1984 einen. Danach wurde sie aufgelöst. (Anm. d. Übers.)

[6] Die „Zelte-Bewegung“ war eine Protestbewegung, die 1973 in dem Jerusalemer Stadteil Katamonim begann und bis Ende der 1970er Jahre fortgesetzt wurde. (Anm. d. Übers.)

 

 

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