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Über diese Webseite

Mit der deutschsprachigen Webseite des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung möchten wir mannigfaltige Stimmen des progressiven Israels hörbar machen. Damit soll eine interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit bekommen, Innenansichten hiesiger Verhältnisse und Kämpfe zu erhalten und lokale Akteure kennenzulernen.

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Glossar

Die im Glossar enthaltenen Einträge erklären kurz zentrale Begriffe, historische Ereignisse, Personen, Institutionen und Organisationen, die auf unserer Webseite erwähnt werden und mit denen LeserInnen, die sich noch nicht intensiv mit dem Thema Israel/Palästina beschäftigt haben, vielleicht nicht vertraut sind. Zusammengenommen bietet das Glossar eine Einführung in die Grundlagen, die zum Verständnis des Themas benötigt werden.

 

Verfasserin: Ursula Wokoeck Wollin

 

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Scharon, Ariel - 

Ariel Scharon — (1928–2014)

war am Krieg von 1948 (1947–1949) zunächst als Soldat, dann als Offizier beteiligt; gründete 1953 auf Anweisung von David Ben-Gurion die Einheit 101, die „Vergeltungsanschläge“ auf Ziele jenseits der israelischen Grenze durchführte (einschließlich des Massakers von Qibya in der Westbank). Spielte eine zentrale Rolle in den Kriegen von 1956 und 1967, im sogenannten Abnutzungskrieg (1967–1970) und im Krieg von 1973. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee trat er dem Likud bei und hatte seit 1977 verschiedene Ministerämter inne. In seiner Eigenschaft als Verteidigungsminister war er federführend im ersten Libanonkrieg 1982. Die von der israelischen Regierung eingesetzte Kahan-Kommission kam zu dem Ergebnis, dass Scharon persönlich durch Unterlassung für das Massaker in Sabra und Schatila verantwortlich sei. Er musste zurücktreten, übernahm aber eine Reihe weiterer Ministerposten. Während seiner politischen Tätigkeit förderte Scharon besonders die israelische Siedlungstätigkeit in den besetzten palästinensischen Gebieten. 1999 wurde Scharon Likud-Chef, 2000 war sein provokativer Besuch auf dem Tempelberg/al-Haram al-Scharif ein Grund für den Ausbruch der Zweiten Intifada. In den Jahren 2001 bis 2006 war er Premierminister. Angesichts des Widerstands im Likud gegen seinen Entflechtungsplan für den Gazastreifen (2004) trat Scharon 2005 aus dem Likud aus und gründete Kadima. Im Januar 2006 erlitt er einen Schlaganfall und fiel in ein Koma, aus dem er nicht mehr aufwachte.

- Synonyms: Ariel Scharon, Ariel Scharons
Schas - 

Schas-Partei

(Akronym des hebräischen Namens für: Sephardische Tora-Wächter) 1984 gegründete, sephardische ultraorthodoxe Partei, deren geistiger Führer der Rabbiner Ovadja Josef (1920–2013) war. Sie erreichte bei den Wahlen 1999 ihren größten Erfolg mit 17 Sitzen in der Knesset, anschließend waren es zwischen elf und zwölf Sitze. Nach dem Tod von Ovadja Josef kam es zur Spaltung, womit sich die Mandate nach den Wahlen 2015 auf sieben reduzierten. Die ursprünglich mehr auf soziale Fragen ausgerichtete Partei beteiligte sich sowohl an von der Arbeitspartei als auch vom Likud bzw. Kadima geführten Koalitionsregierungen und bewegte sich im Laufe der Zeit immer weiter nach rechts.

- Synonyms: Schas-Partei, Shas
Schinui - 

Schinui

(hebräisch für: Veränderung) 1974 gegründete liberale und säkulare Zentrumspartei. Als Teil der liberalen Wahlliste Dasch gehörte sie nach den Wahlen 1977 zur drittgrößten Fraktion in der Knesset und trat Menachem Begins rechter Regierungskoalition bei, die die Herrschaft der Mapai/Arbeitspartei beendete. Nach der Auflösung von Dasch erzielte Schinui zwei Sitze bei den Wahlen 1981; 1992 bildete sie mit Ratz und Mapam eine gemeinsame Wahlliste (Meretz). Als sich Meretz 1997 als Partei konstituierte, schlossen sich ihr einige Schinui-Mitglieder an, die Mehrheit aber entschied sich dagegen, weil ihnen Meretz zu links war. Vor den Wahlen 1999 übernahm der Journalist Tommy Lapid (1931–2008), der für seinen Kampf für die Trennung von Staat und Religion und seine Unterstützung einer neoliberalen Wirtschaftspolitik bekannt war, die Parteiführung. Die Partei errang sechs Knesset-Sitze (von 120). Nach den Wahlen 2003 wurde Schinui mit 15 Sitzen die drittgrößte Fraktion und beteiligte sich an Ariel Scharons Regierungskoalition. 2004 schied sie aus Protest gegen finanzielle Zugeständnisse an religiöse Parteien aus der Regierung aus. Bei den Wahlen 2006 scheiterte sie an der Prozenthürde, zu den Wahlen 2009 trat sie nicht mehr an.
sephardisch - 

sephardisch — („spanisch“)

In der jüdischen Diaspora gab es zwei große Zentren: in Zentraleuropa und in Andalusien auf der iberischen Halbinsel unter muslimischer Herrschaft. In diesen Zentren entwickelten sich im Laufe der Zeit jeweils spezifische kulturelle und religiöse Traditionen, zum Beispiel in Bezug auf die religiöse Liturgie, die hebräische Aussprache und die verwendete Alltagssprache (Jiddisch und Ladino/Judezmo). Das Zentrum in Andalusien wurde 1492 durch die Reconquista und die darauffolgende Vertreibung (oder Zwangskonvertierung) der jüdischen (und muslimischen) Bevölkerung zerstört. Die Flüchtlinge gelangten nach Nordafrika, ins Osmanische Reich und in Seehandelshafenstädte in Italien und Nordwesteuropa (und von dort aus auch nach Amerika und Indien). Sie bewahrten ihre Identität und Traditionen, die sephardisch (das heißt von der iberischen Halbinsel kommend) genannt wurden. Nichtsdestotrotz entwickelte sich im Laufe der Zeit eine große Vielfalt: infolge der großen räumlichen Entfernungen zwischen den Flüchtlingsgemeinden, dem Zusammentreffen mit anderen jüdischen Gemeinden (vor allem im Nahen Osten), deren Mitglieder nicht von der iberischen Halbinsel kamen, und dem Einfluss der sie umgebenden nicht jüdischen Mehrheitsgesellschaft. Eine gewisse Vereinheitlichung erfolgte in Israel durch das Amt des Sephardischen Oberrabbiners (das neben dem Amt des Aschkenasischen Oberrabbiners besteht). Heute bezeichnen sich viele sephardische (sowie auch andere aus Afrika und Asien eingewanderte) Israelis auch als Mizrachim/Muzrachijot.

- Synonyms: Sepharden, sephardische
Siedlungen - 

Siedlungen

bezeichnet die für israelisch-jüdische Bewohner*innen errichteten Ortschaften oder Stadtviertel in den im Laufe des Krieges von 1967 eroberten und daraufhin besetzten Gebieten. Diese israelischen Siedlungen sind ein klarer Verstoß gegen das Humanitäre Völkerrecht, das den Eroberern die Ansiedlung eigener Bevölkerung auf besetztem Land verbietet, und sind international geächtet. 2014 lebten ca. 550.000 Siedler*innen in den seit 1967 besetzten Gebieten: ca. 350.000 in der Westbank in 125 von der israelischen Regierung genehmigten Siedlungen und in ca. 100 sogenannten outposts, sprich nicht genehmigten, aber mit staatlicher Hilfe gebauten Siedlungen, sowie ca. 200.000 Siedler*innen im besetzten Ost-Jerusalem. Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt etwa 4,4 Prozent (75 Prozent hiervon natürliches Wachstum, 25 Prozent Zuzug aus Israel und dem Ausland). Die Siedlungen gelten als der Hauptgrund für das Scheitern von Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinenser*innen. Unter allen israelischen Regierungen seit der Ermordung des Premierministers Jitzchak Rabin setzte sich das Wachstum der Siedlungen fort. Die Siedlungen im Gazastreifen wurden im Rahmen der dortigen Entflechtung (2005) geräumt. Auf den besetzten Golanhöhen leben ca. 20.000 jüdische Siedler*innen. (Für weitere Informationen auf Englisch siehe: http://peacenow.org.il/eng/content/settlements.)
Siedlungsblöcke - 

Siedlungsblöcke

Ein Begriff, der insbesondere in den Verhandlungen im Rahmen des Oslo-Prozesses verwendet wurde. Er bezeichnet Teile der 1967 besetzten Gebiete, in denen israelische Siedlungen zahlreich sind und relativ dicht beieinanderliegen. In den Verhandlungen wurde von israelischer Seite argumentiert, dass aufgrund der dichten Besiedlung diese „Blöcke“ auch im Rahmen eines Friedensabkommens mit den Palästinenser*innen nicht geräumt werden könnten und ein Teil des israelischen Staatsgebiets werden sollten.
Sperranlage - 

Sperranlage

(auch mitunter Trennungszaun/-mauer/-barriere, Sicherheitszaun/-mauer, Mauer, Apartheid-Mauer/-Zaun genannt). Bereits im Zuge der Ersten Intifada wurde 1992 mit der Errichtung einer teilweisen Trennungsbarriere entlang der Grünen Linie begonnen. Während der Zweiten Intifada (2000), in deren Rahmen Anschläge in Israel verübt wurden, beschloss die israelische Regierung, eine durchschnittlich 60 Meter breite Sperranlage (siehe: www.btselem.org/topic/separation_barrier) an der gesamten Strecke entlang zu bauen. Diese wird allerdings zumeist nicht auf der Grünen Linie errichtet, sondern in der Westbank (mitunter bis zu 20 Kilometer von der Grünen Linie entfernt), um israelische Siedlungen von der übrigen Westbank zu trennen (wobei auch ca. 23.000 Palästinenser*innen, die dort leben, von der übrigen Westbank getrennt werden, ohne dass sie – im Gegensatz zu den israelischen Siedler*innen – Zugang nach Israel haben). Bisher wurden ungefähr 70 Prozent der Sperranlage fertiggestellt. Seit 2014 wird der Weiterbau von der Regierung nicht weiter forciert, insbesondere aufgrund der Kritik der Siedler*innen, die in der Sperranlage einen potenziellen Verzicht auf die übrigen Teile der Westbank sehen.
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