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Über diese Webseite

Mit der deutschsprachigen Webseite des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung möchten wir mannigfaltige Stimmen des progressiven Israels hörbar machen. Damit soll eine interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit bekommen, Innenansichten hiesiger Verhältnisse und Kämpfe zu erhalten und lokale Akteure kennenzulernen.

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Glossar

Die im Glossar enthaltenen Einträge erklären kurz zentrale Begriffe, historische Ereignisse, Personen, Institutionen und Organisationen, die auf unserer Webseite erwähnt werden und mit denen LeserInnen, die sich noch nicht intensiv mit dem Thema Israel/Palästina beschäftigt haben, vielleicht nicht vertraut sind. Zusammengenommen bietet das Glossar eine Einführung in die Grundlagen, die zum Verständnis des Themas benötigt werden.

 

Verfasserin: Ursula Wokoeck Wollin

 

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Ma’arach - 

Ma’arach

(hebräisch für: Verbindung) ist der Name von zwei verschiedenen Wahllisten. Die erste bestand von 1965 bis 1968 als gemeinsame Wahlliste von Mapai und Achdut HaAvoda. Sie wurde aufgelöst, als sich die beiden Parteien mit Rafi (einer Gruppe von ehemaligen Mapai-Mitgliedern, die unter der Führung von David Ben-Gurion aus Mapai ausgetreten waren und eine eigene Partei gegründet hatten) zusammentaten, um die Arbeitspartei zu gründen. Die zweite entstand 1969 als gemeinsame Wahlliste von der Arbeitspartei und Mapam (der sich später auch andere, liberale Parteien anschlossen). Mapam schied nach den Wahlen von 1984 aus Protest gegen die Große Koalition mit dem Likud aus. Der Ma’arach löste sich 1991 auf, nachdem alle Partner ausgeschieden waren oder sich formell der Arbeitspartei angeschlossen hatten.

- Synonyms: HaMa’arach
Mapai - 

Mapai

(Akronym des hebräischen Namens: Arbeiterpartei in dem Land Israel [Palästina]) 1930 unter der Führung von David Ben-Gurion gegründete Partei. Sie beherrschte die 1920 entstandene Gewerkschaftsdachorganisation Histadrut und die jüdische paramilitärische Organisation Hagana (Verteidigung). Nach der Staatsgründung 1948 war sie fast 30 Jahre lang die größte Fraktion in der Knesset, was ihr ermöglichte, die Regierungskoalitionen (die immer auch religiöse Parteien einschlossen) zu bilden und die Regierungspolitik weitgehend zu bestimmen. Mapai wurde 1968 aufgelöst, als die Arbeitspartei (HaAvoda) gegründet wurde. Mapai nahm keine nicht jüdischen arabischen Menschen als Mitglieder auf.
Mapam - 

Mapam

(Akronym des hebräischen Namens: Vereinigte Arbeiterpartei) 1948 durch die Vereinigung von HaSchomer HaTza’ir und anderen linkszionistischen Organisationen entstandene Partei. Mapam übernahm von HaSchomer HaTza’ir die enge Verbindung zu der 1928 gegründeten Dachorganisation Kibbuz Artzi (die linke der drei Strömungen in der Kibbuzbewegung) sowie die 1943 gegründete Tageszeitung Al HaMischmar (Auf der Wacht), die bis 1995 erschien. 1969 schloss sich Mapam mit der Arbeitspartei zu einer gemeinsamen Wahlliste (HaMa’arach) zusammen, das Bündnis hielt mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung bis nach den Wahlen 1984. Aus Protest gegen die von Schimon Peres (Arbeitspartei) und Jitzchak Schamir (Likud) geführte Große Koalition schied Mapam aus HaMa’arach aus. 1992 schloss sich Mapam der gemeinsamen Wahlliste Meretz an. 1997 wurde Mapam aufgelöst, als sich Meretz als Partei konstituierte.
Massaker von Kafr Qasim - 

Massaker von Kafr Qasim

Im Rahmen des Krieges von 1956 (gegen Ägypten) wurden Ausgangssperren über palästinensische Dörfer in Israel in der Nähe der Westbank (damals unter jordanischer Herrschaft) verhängt. Darunter war auch das Dorf Kafr Qasim. Da die palästinensischen Bürger*innen Israels von 1948 bis 1966 einer Militärregierung unterstanden, waren die israelische Armee und insbesondere der Grenzschutz für die Durchführung der Ausgangssperren zuständig. Am 29. Oktober 1956 wurde das Dorf kurz vor dem Beginn der Ausgangssperre über diese informiert, zu einer Zeit, zu der viele Bewohner*innen auf den Feldern arbeiteten und folglich nichts von der Ausgangssperre wussten. Als sie später ins Dorf zurückkehrten, wurden 48 Menschen (25 Männer und Frauen und 23 Kinder und Jugendliche) erschossen. Die Grenzschützer, die das Massaker begingen, wurden angeklagt und verurteilt, aber innerhalb eines Jahres begnadigt.
Matzpen - 

Matzpen

(hebräisch für: Kompass) eine zahlenmäßig relativ kleine sozialistische Bewegung, die 1962 von ehemaligen Mitgliedern der Kommunistischen Partei Israel (KPI) gegründet wurde. Sie sah/sieht den Zionismus als ein koloniales Projekt (das sich später in den Siedlungen in den 1967 besetzten palästinensischen Gebieten fortsetzte) und verfolgt das Ziel einer auf voller Gleichheit basierenden jüdisch-arabischen Koexistenz. In den 1970er Jahren kam es zu zahlreichen Spaltungen, insbesondere zwischen trotzkistischen und maoistischen Gruppen. In sehr reduzierter Form besteht die Bewegung noch heute (www.matzpen.org/english/). Ihre (ehemaligen) Mitglieder übten einen weit über die Größe der Bewegung hinausgehenden Einfluss auf die nicht zionistische Linke in Israel aus.
Melting Pot - 

Melting Pot/Schmelztiegel

Die in ausgesprochenen Einwanderungsländern, insbesondere in den USA, entwickelte Konzeption, wonach die aus unterschiedlichsten Ländern stammenden Migrant*innen in ihrer neuen Umgebung ein Teil dieser Gesellschaft und ihrer Kultur werden – wobei sich meist (zumindest implizit) vorgestellt wird, dass dies die bereits vorherrschende Gesellschaft und Kultur seien.

- Synonyms: Schmelztiegel, Schmelztiegels
Meretz - 

Meretz

(Ein aus Parteinamen geformtes Akronym, das das hebräische Wort für Kraft/Energie ist) Wahlliste, zu der sich 1992 die Bürgerrechtspartei Ratz, die linkszionistische Mapam und die liberale Schinui zusammenschlossen. Als solche hatten sie bei den Knesset-Wahlen 1992 ihren größten Erfolg (sie errangen 12 von 120 Mandaten). Bei der Bildung der von Jitzchak Rabin geführten Regierungskoalition spielte sie eine Schlüsselrolle und ermöglichte somit später die Oslo-Abkommen. 1997 lösten sich die beteiligten Parteien auf und Meretz konstituierte sich als Partei. Meretz gilt als Hort des aus Europa stammenden jüdischen Bildungsbürgertums und ist linksliberal bis sozialistisch geprägt. Meretz ist heute mit fünf Sitzen (von 120) in der Knesset vertreten.
Military Rule - 

Military Rule — (Militärregierung; 1948–1966)

Nach der Staatsgründung erhielt die innerhalb Israels verbliebene palästinensische Bevölkerung die israelische Staatsbürgerschaft, wurde aber einer Militärregierung unterstellt. In diesem Zusammenhang wurden „Sperrzonen“ (Ortschaften und Stadtviertel, in denen Palästinenser*innen wohnten, sowie – insbesondere im Negev – ein relativ dünnbesiedeltes Gebiet) errichtet. Palästinenser*innen, die außerhalb dieser „Sperrzonen“ lebten, wurden in eine solche gebracht. Die „Sperrzonen“ unterstanden der israelischen Armee und wurden von der Militärregierung mittels Kriegsrecht, das zumeist auf den von der britischen Mandatsregierung 1945 erlassenen Verteidigungs-(Notstands-)Verordnungen beruhte, beherrscht. Für die palästinensischen Staatsbürger*innen bedeutete dies, dass sie die ihnen zugeteilte „Sperrzone“ nur mit Sondergenehmigung verlassen durften und dass auch andere zentrale Grundrechte (wie zum Beispiel das Recht auf richterliche Anhörung und Gerichtsverfahren bei Inhaftierung) aufgehoben waren. Die Militärregierung endete formell 1966.

- Synonyms: Militärregierung, Militärherrschaft
Mizrachim - 

Mizrachim

(Plural des hebräischen Worts mizrachi, das „Orientale“ oder „orientalisch“ bedeutet; weiblich: Mizrachit, Plural: Mizrachijot) Bezeichnung für aus Asien und Afrika stammende jüdische Israelis, wobei die meisten von ihnen aus arabischen und muslimischen Ländern eingewandert sind. Die Bezeichnung Mizrachim wird in Abgrenzung zu den aus Europa stammenden jüdischen Israelis verwendet, die Aschkenasim genannt werden. Für weiter Informationen siehe: Zwischen Ost und West – Die Mizrachim

- Synonyms: Mizrachi-Charakter
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