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Über diese Webseite

Mit der deutschsprachigen Webseite des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung möchten wir mannigfaltige Stimmen des progressiven Israels hörbar machen. Damit soll eine interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit bekommen, Innenansichten hiesiger Verhältnisse und Kämpfe zu erhalten und lokale Akteure kennenzulernen.

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Glossar

Die im Glossar enthaltenen Einträge erklären kurz zentrale Begriffe, historische Ereignisse, Personen, Institutionen und Organisationen, die auf unserer Webseite erwähnt werden und mit denen LeserInnen, die sich noch nicht intensiv mit dem Thema Israel/Palästina beschäftigt haben, vielleicht nicht vertraut sind. Zusammengenommen bietet das Glossar eine Einführung in die Grundlagen, die zum Verständnis des Themas benötigt werden.

 

Verfasserin: Ursula Wokoeck Wollin

 

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HaBajit HaJehudi - 

HaBajit HaJehudi

(hebräisch für: das Jüdische Haus/Heim) 2008 gegründete Partei, ist in gewisser Weise die Nachfolgerin der Nationalreligiösen Partei (Mafdal). Diese wurde 1956 als orthodox-religiöse, bürgerlich-zentristische Partei gegründet, die bis 1977 Teil der von Mapai und danach von der Arbeitspartei geführten Regierungskoalitionen war. Seit 1986 beteiligte sich Mafdal wiederholt (mit Unterbrechungen) an verschiedenen, nun Likud-geführten Regierungskoalitionen, allerdings mit einer neuen, zunehmend rechtsnationalistischen Agenda. Sie engagierte sich insbesondere für den Bau jüdischer Siedlungen in den seit 1967 besetzten Gebieten und war eng mit Gusch Emunim verbunden. Mafdal löste sich 2008 auf, um mit zwei anderen rechten Parteien, Moledet (Heimat) und Tkuma (Wiedergeburt), die Partei HaBajit HaJehudi zu gründen. Allerdings machten sich die beiden Partnerparteien bald darauf wieder selbstständig. Bei den Wahlen 2009 erhielt die Partei drei Knesset-Sitze (von 120). Ende 2012 übernahm der charismatische Hightech-Millionär und ehemalige Stabschef von Benjamin Netanjahu, Naftali Bennett, den Parteivorsitz, der sowohl die traditionelle Wählerschaft der Partei, insbesondere in der Siedlerbewegung, als auch weitere Kreise, einschließlich säkulare nationalistische Jüdinnen und Juden, ansprechen konnte. Bennett lehnt jede Konzession an die Palästinenser*innen ab und fordert die Annexion großer Teile der Westbank (C-Gebiete). Zu den Wahlen 2013 trat die Partei im Rahmen einer Wahlliste zusammen mit Moledet und Tkuma an, sie erhielten 12 Knesset-Sitze (von 120) und wurde Teil der Regierungskoalition Benjamin Netanjahus. Bei den Wahlen 2015 machte sie sich wieder unabhängig, trat selbstständig an, erzielte acht Sitze (von 120) und wurde zu einem zentralen Partner in Netanjahus Regierungskoalition.

- Synonyms: Nationalreligiösen Partei
Hamas - 

Hamas

Akronym des arabischen Namens der palästinensischen Islamischen Widerstandsbewegung in den 1967 besetzten Gebieten, die 1987, inspiriert von den ägyptischen Muslimbrüdern, gegründet und aufgrund ihrer Opposition zur PLO von israelischer staatlicher Seite zunächst gefördert wurde. Die einst quietistische Hamas, die sich vor allem der Islamisierung der palästinensischen Gesellschaft widmete, verwandelte sich zunehmend in einen Gegenspieler Israels und der PLO, unter anderem dadurch, dass sie sich dafür aussprach, die besetzten Palästinensergebiete, falls erforderlich, auch mit Gewalt zu befreien. Die Hamas erkennt Israel nicht an, ist aber bereit, mit Israel einen Waffenstillstand (arabisch: hudna) zu vereinbaren, falls sich Israel aus den 1967 besetzten Gebieten zurückzieht. 2006 beteiligte sich die Hamas an den Wahlen der palästinensischen Autonomiebehörde und gewann mit 44 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit der Sitze, was ihr die Regierungsbildung erlaubte. Aufgrund des von den USA und der EU ausgeübten Drucks ging die Hamas eine Große Koalition mit der Fatah ein. Diese Regierung wurde aber dennoch von den USA und der EU finanziell nicht unterstützt, was zusammen mit Spannungen über die Kontrolle der Sicherheitsbehörden zu offenen Kampfhandlungen zwischen den Koalitionspartnern führte. Seitdem sind die Palästinensergebiete zweigeteilt: Die Hamas regiert den Gazastreifen, die Fatah die Enklaven in der Westbank, fällige Wahlen finden nicht statt. Israel reagierte auf die neue Situation, indem es den Gazastreifen nicht nur teilweise, sondern komplett abriegelte. Diese Blockade besteht bis heute. Seit der vollständigen Abriegelung 2007 kam es zu mehreren Waffengängen zwischen Israel und dem Gazastreifen mit Tausenden von toten Zivilist*innen, zum großen Teil palästinensische Zivilist*innen, und enormen Zerstörungen im Gazastreifen. EU und USA unterhalten zur Hamas keine Kontakte, da sie sie als Terrororganisation einstufen.
HaSchomer HaTza’ir - 

HaSchomer HaTza’ir

(hebräisch für: Der Junge Wächter) 1913 in Galizien als sozialistisch-zionistische Jugendbewegung gegründet, in Palästina eng mit der 1928 gegründeten Dachorganisation Kibbuz Artzi (die linke der drei Strömungen in der Kibbuzbewegung) verbunden, gab seit 1943 eine eigene Tageszeitung, Al HaMischmar (Auf der Wacht), heraus und rief 1946 eine eigene Partei ins Leben. Aus ihr ging durch den Zusammenschluss mit Achdut HaAvoda, Po’alei-Tzion und der Sozialistischen Liga 1948 Mapam hervor (die 1992 in der Meretz-Partei aufging). Als Jugendorganisation besteht HaSchomer HaTza’ir bis heute.
HaTnu’a - 

HaTnu’a - (Die Bewegung)

Zentrumspartei, von Tzipi Livni 2012 nach ihrem Austritt aus der Kadima-Partei aufgrund ihrer Niederlage in den internen Wahlen zum Parteivorsitz gegründet. Vor den Wahlen 2015 schloss sich HaTnu’a mit der Arbeitspartei zu einer gemeinsamen Wahlliste, dem Zionistischen Lager, zusammen.

- Synonyms: HaTnu’a-Fraktion
hebräische Arbeit - 

„hebräische Arbeit“ — (hebräisch: awoda ivrit)

Slogan der seit Anfang des 20. Jahrhunderts innerhalb der zionistischen Arbeiterbewegung in Palästina erhobenen Forderung, nur jüdische Arbeiter*innen (und keine arabischen) anzustellen.

- Synonyms: hebräischen Arbeit
Hebron - 

Hebron — (arabisch: al-Chalil)

Stadt in der Westbank, in der heute mehr als 200.000 Palästinenser*innen und ca. 1.000 israelische Siedler*innen leben. Hebron ist für Jüdinnen und Juden eine heilige Stadt, die jüdischen Gemeinden vor Ort haben eine lange Geschichte. Steigende Spannungen zwischen der indigenen arabischen Bevölkerung und der zionistischen Bewegung mündeten 1929 in ein Massaker an den jüdischen Bewohner*innen von Hebron, die dann 1936 von der britischen Mandatsregierung gezwungen wurden, die Stadt zu verlassen. Nach der Eroberung im Krieg von 1967 ließen sich radikale jüdische Siedler*innen im Stadtzentrum (sowie in der 1970/71 gegründeten Siedlung Kirjat Arba am Stadtrand) nieder. Hebron wurde zum Zentrum gewaltbereiter Siedler*innen. 1994 verübte ein in Kirjat Arba lebender Siedler ein Massaker an palästinensischen Betenden in der Ibrahimi-Moschee. Trotz des Oslo-II-Abkommens (1995) weigerte sich Israel, die Stadt zu räumen. Stattdessen wurde die Stadt aufgrund des Hebron-Abkommens (1997) in zwei Zonen aufgeteilt: H1 (ca. 80 Prozent) und H2 (ca. 20 Prozent), wobei nur H1 geräumt wurde. Die palästinensische Bevölkerung in H2 ist seitdem in ihrer Bewegungsfreiheit extrem eingeschränkt (so ist Palästinenser*innen etwa das Betreten der zentralen Schuhada-Straße verboten), Hunderte Geschäfte mussten schließen. Folglich schrumpft die palästinensische Bevölkerung in H2 beträchtlich.
Herzl, Theodor - 

Theodor Herzl — (1860–1903)

österreichisch-ungarischer jüdischer Schriftsteller und Journalist. 1896 veröffentlichte er unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre das Buch „Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“. Herzl gilt als der zentrale Vordenker und, da er Mitinitiator des ersten Zionistischen Weltkongresses (1897 in Basel) und erster Präsident der Zionistischen Weltorganisation war, als aktiver Wegbereiter des Zionismus.

- Synonyms: Theodor Herzl
Histadrut - 

Histadrut — (hebräisch für: Organisation)

bezeichnet den Dachverband, in dem die meisten Gewerkschaften Israels organisiert sind. 1920 gegründet, war sie ein Hauptpfeiler der zionistisch-sozialistischen Bewegung und der auf Staatsgründung ausgerichteten Strukturen vor 1948. Die Histadrut wurde zu einer der mächtigsten Organisationen in Israel, die nicht nur gewerkschaftliche Aufgaben wahrnahm (mehr als 80 Prozent der Arbeitnehmer*innen wurden von ihr vertreten), sondern auch einige der größten Konzerne, die größte Bank, die meisten Pensionsfonds und die größte Organisation im Gesundheitswesen („Krankenkasse“) besaß. Im Zuge der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die seit den 1980er Jahren von der Regierung verfolgt wird, (siehe hierzu auch:  Nicht wirklich eine Start-up-Nation), wurde die Histadrut auf ihre gewerkschaftliche Tätigkeit beschränkt. Auch in dem Bereich ging ihr Einfluss stark zurück, insbesondere aufgrund des rapide gesunkenen gewerkschaftlichen Organisierungsgrads. Seit 1995 heißt der Dachverband offiziell Neue Histadrut. Weitere Informationen über die Histadrut sowie alternative gewerkschaftliche Organisation unter: Macht den Arbeitern!
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