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Über diese Webseite

Mit der deutschsprachigen Webseite des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung möchten wir mannigfaltige Stimmen des progressiven Israels hörbar machen. Damit soll eine interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit bekommen, Innenansichten hiesiger Verhältnisse und Kämpfe zu erhalten und lokale Akteure kennenzulernen.

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Glossar

Die im Glossar enthaltenen Einträge erklären kurz zentrale Begriffe, historische Ereignisse, Personen, Institutionen und Organisationen, die auf unserer Webseite erwähnt werden und mit denen LeserInnen, die sich noch nicht intensiv mit dem Thema Israel/Palästina beschäftigt haben, vielleicht nicht vertraut sind. Zusammengenommen bietet das Glossar eine Einführung in die Grundlagen, die zum Verständnis des Themas benötigt werden.

 

Verfasserin: Ursula Wokoeck Wollin

 

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B’Tselem - 

B’Tselem — (hebräisch für: Nach dem Ebenbild [Gottes])

eine 1989 gegründete israelische Nichtregierungsorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschenrechtsverletzungen in den seit 1967 von Israel besetzten Gebieten zu dokumentieren und die Öffentlichkeit über diese zu informieren (siehe: www.btselem.org/).
Balad/al-Tadschamu - 

Balad/al-Tadschamu'

Die Demokratische Nationale Allianz, 1995 als Abspaltung aus Chadasch/al-Dschabha gegründet, definiert sich als demokratische progressive nationale Partei für die palästinensischen Bürger*innen Israels. Die in sozialen Fragen eher sozialdemokratisch orientierte Partei unterstützt die Zweistaatenlösung, zugleich lehnt sie den ausschließlich jüdischen Charakter Israels ab und möchte Israel in eine Demokratie für alle Bürger*innen, unabhängig von ihrer nationalen und ethnischen Zugehörigkeit, verwandeln. Darüber hinaus setzt sie sich für die nationalen Minderheitsrechte und eine kulturelle Autonomie der palästinensischen Bürger*innen Israels ein. Sie schloss sich zur Wahl 2015 mit anderen Parteien zur Gemeinsamen Liste zusammen.

- Synonyms: Balad/al-Tadschamu‘
Balfour-Erklärung - 

Balfour-Erklärung

Brief des britischen Außenministers Arthur James Balfour vom November 1917 an Walter Rothschild, eine führende Persönlichkeit der britischen jüdischen Gemeinden, in dem die Unterstützung der britischen Regierung für die Errichtung einer nationalen Heimstätte (englisch: national home) für das jüdische Volk in Palästina unter der Bedingung zugesagt wurde, dass dies die bürgerrechtlichen und religiösen Rechte der nicht jüdischen Bevölkerungsgruppen in Palästina nicht beeinträchtigen würde. Das Versprechen der nationalen Heimstätte wurde operativ mit dem Beginn des britischen Mandats für Palästina.
Bantustan - 

Bantustan

Die generelle Bezeichnung für die im Rahmen der Apartheid-Politik in Südafrika (und Südwestafrika, heute Namibia) eingerichteten Enklaven für die schwarze Bevölkerung. Diese relativ kleinen, voneinander isolierten Gebiete, die als ethnische/stammesmäßige Einheiten konzipiert waren, erhielten teilweise Autonomie und sollten mit der Zeit unabhängig werden. Der Plan war, dass sie als unabhängige Staaten nicht nur ihren Bewohner*innen, sondern auch allen außerhalb dieser Enklaven lebenden Menschen des Stammes/der ethnischen Gruppe die Staatsbürgerschaft verleihen, was erlaubt hätte, diesen die südafrikanische Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie dann dazu zu zwingen, in jene „unabhängigen“ Enklaven überzusiedeln.
Begin, Menachem - 

Menachem Begin — (1913–1992)

wurde in Brest-Litowsk (heute Weißrussland) geboren, studierte in Warschau, wo er sich 1929 Zeev Jabotinskys Betar-Bewegung anschloss, in der er bald eine Führungsrolle übernahm. Er flüchtete vor der einmarschierenden deutschen Wehrmacht nach Litauen, das sich unter sowjetischer Herrschaft befand. Dort wurde er als angeblicher Agent des britischen Imperialismus verhaftet, verurteilt und in einem Gulag eingekerkert. Nach seiner Freilassung (1941) trat er in der Sowjetunion der polnischen Armee bei und kam mit seiner Kompanie über Iran nach Palästina. Dort schloss er sich 1942 der revisionistischen paramilitärischen Organisation Etzel/Irgun (entstanden 1931 als Abspaltung von der Mapai-geführten Hagana) an, deren Führung er 1943 übernahm. Unter den von Etzel verübten Anschlägen gegen die britische Mandatsregierung und die palästinensische Zivilbevölkerung ist der Bombenanschlag auf das King David Hotel in Jerusalem (22. Juli 1946) der bekannteste sowie das zusammen mit Lechi (die sogenannte Stern-Gruppe) verübte Massaker von Deir Yasin (16. April 1948). Nach der Staatsgründung wurde Etzel zum Teil gewaltsam (Altalena-Vorfall) aufgelöst und in die israelische Armee integriert. Begin gründete 1948 die Cherut-Partei, als deren Chef er seit 1949 Knesset-Abgeordneter war. Er lehnte das (Luxemburger) Wiedergutmachungsabkommen zwischen Israel und der BRD (1952) entschieden ab und war wohl an der Verschickung von Paketbomben an Mitglieder des deutschen Verhandlungsteams und Kanzler Konrad Adenauer beteiligt. Mit Ausnahme der Großen Koalition, die mit Ausbruch des Krieges von 1967 gebildet wurde, blieb die von Begin geführte Cherut-Partei in der Opposition, bis es der von ihm geführten Wahlliste Likud vor allem durch die Stimmen der systematisch benachteiligten Mizrachim/Mizrachijot gelang, die Wahlen 1977 zu gewinnen und damit die Vorherrschaft der Arbeitspartei/Mapai zu beenden. Seine Amtszeit als Premierminister (1977–1983) war vor allem mit einer Verbesserung der (wirtschaftlichen) Situation der Mizrachim/Mizrachijot verbunden sowie mit dem Friedensabkommen mit Ägypten (1979), dem israelischen Luftangriff auf den irakischen Atomreaktor (1981) und dem ersten Libanonkrieg (1982). Angesichts des breiten anhaltenden Protests in Israel gegen den Krieg, insbesondere infolge des Massakers in Sabra und Schatila, legte Begin 1983 seine Ämter nieder und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.

- Synonyms: Menachem Begin, Menachem Begins
Beilin-Abu-Mazen-Plan - 

Beilin-Abu-Mazen-Plan

ein von Yossi Beilin, dem damaligen israelischen Minister für Wirtschaft und Planung, der einer der Architekten der Oslo-Abkommen war, und dem Vertreter der PLO (und heutigen palästinensischen Präsidenten) Abu Mazen (Mahmoud Abbas) ausgearbeiteter Entwurf der Übereinkommen, die ein endgültiges israelisch-palästinensisches Friedensabkommen im Rahmen des Oslo-Prozesses ermöglichen sollten. Der Plan wurde im Oktober 1995 fertiggestellt, aber nach der Ermordung des israelischen Premierministers Yitzhak Rabin (2. November 1995) nicht realisiert.
Bund - 

Der Bund

Der Allgemeine jüdische Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland, meist der Bund genannt, war eine (nicht zionistische) säkulare jüdische sozialistische Partei im Russischen Reich (1897–1920). Aufgrund der deutschen Besatzung organisierte sich die polnische Sektion als selbstständige Partei, die auch in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen aktiv blieb und nach ihrer Wiederbelebung nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 endgültig aufgelöst wurde. Weltweit gibt es kleine Bundisten-Gruppen (auch in Israel), die sich nach 1945 in dem Internationalen Jüdischen Arbeiterbund zusammenschlossen, bis sich dieser um 2005 auflöste.
Weiterlesen: Der letzte Bundist
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