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Mit der deutschsprachigen Webseite des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung möchten wir mannigfaltige Stimmen des progressiven Israels hörbar machen. Damit soll eine interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit bekommen, Innenansichten hiesiger Verhältnisse und Kämpfe zu erhalten und lokale Akteure kennenzulernen.

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Mahapach - Taghir

Mahapach-Taghir ist eine feministische, arabisch-jüdische Graswurzelorganisation, die in der Bildungsarbeit aktiv ist und darüber Selbstermächtigungsprozesse lokaler Communities stärkt. Ihr Ziel ist eine gerechtere und demokratischere Gesellschaft in Israel, die gleiche Bildungs- und Erwerbschancen für alle bietet.

Die 1998 in Jerusalem gegründete Organisation geht auf den längsten Studentenstreik in der israelischen Geschichte zurück. Die damalige Protestbewegung richtete sich gegen eine Anhebung der Studiengebühren. Motiviert durch deren Energie und Tatkraft beschloss eine Gruppe von Student*innen, das Momentum zu nutzen und sich für einen weiterreichenden sozialen Wandel einzusetzen. Sie begannen in Kattamonim, einem ärmeren Stadtteil von Jerusalem, wo sie sich mit Bewohner*innen trafen und dabei einen hohen Bedarf an lokalen Bildungs- und Betreuungsangeboten für Kinder nach bzw. zusätzlich zur Schule feststellten. Aus dem anfänglichen Bildungsprojekt für Kinder entwickelte sich schnell ein Nachbarschaftszentrum mit vielfältigen Aktivitäten. Die Begegnung mit den Familien der betreuten Kinder hatte den Student*innen vor Augen geführt, was fehlende Ressourcen und eine Vernachlässigung vonseiten der Behörden anrichten können. Dies brachte einen Prozess der kollektiven Selbstermächtigung in Gang – die Idee von der „Learning Community“ war geboren.

Die „Learning Community“ ist ein ganzheitliches Bildungsmodell, das derzeit von Mahapach-Taghir in acht sozial benachteiligten Nachbarschaften in jüdischen und palästinensischen Communities umgesetzt wird. Die Absicht dahinter: Chancengleichheit im Bildungsbereich und zugleich bürgerschaftliches Engagement fördern. In den Projekten kommen Kinder, deren Eltern, Anwohner*innen und Student*innen von verschiedenen Universitäten zusammen. Zuständig für organisatorische Aufgaben sind von Mahapach-Taghir extra dafür eingestellte Commmunity-Koordinator*innen, die Student*innen werden mit einem Stipendium unterstützt. Zentrale Elemente dieses Bildungsansatzes sind gemeinsames Lernen, Elternbeteiligung und politische Arbeit. Der von den Student*innen organisierte Einzel- und Gruppenunterricht wird ergänzt durch verschiedene kollektive Aktivitäten wie zum Beispiel das Anlegen von Nachbarschaftsgärten, Diskussionsrunden zu sozialen und politischen Themen und die sogenannten Community-Action-Tage, an denen Anliegen der lokalen Bevölkerung aufgegriffen und in verschiedenen Formen öffentlichkeitswirksam thematisiert werden.

All diesen Aktivitäten liegen drei Prinzipien zugrunde:

  • Kritische Pädagogik: Dies ist ein Bildungsansatz, der Schüler*innen dazu anregen will, vorherrschendes Wissens und gängige Vorstellungen von Wissen zu hinterfragen und damit eine grundsätzlich kritische Sichtweise auf gesellschaftliche Verhältnisse zu entwickeln. Besonderer Wert wird auf die Vermittlung von für benachteiligte Bevölkerungsgruppen relevante Kompetenzen gelegt, um die Selbsthilfekräfte und die Fähigkeit der Menschen zu stärken, Verantwortung für ihre eigene Zukunft und die ihrer Communities zu übernehmen.
  • Feminismus: Mahapach-Taghir versteht sich als feministische Organisation, die für partnerschaftliches Arbeiten, Emanzipation der Frauen, Gleichberechtigung, Transparenz, Empathie und gemeinsame Entscheidungsfindung eintritt, und zwar in allen Communities und auf allen Ebenen. Besonders wichtig ist es dem Netzwerk, die Rolle und das Selbstbewusstsein von Müttern zu stärken, die oft im Mittelpunkt lokaler sozialer Kämpfe stehen. Im Unterricht wird über Menschenrechte und verschiedene feministische Ansätze gesprochen. Die Frauen lernen, wie sie bei den lokalen Behörden wirksam Eingaben machen können. Dazu sammeln sie Erfahrung in der Kampagnenarbeit sowie in der Koordinierung und Durchführung von Projekten.
  • Palästinensisch-jüdische Partnerschaft: Mahapach-Taghir will dazu beitragen, einen alternativen Diskurs in der israelischen Gesellschaft zu etablieren, in dem das etablierte Narrativ der jeweils anderen anerkannt wird und über Möglichkeiten der Solidarität und Zusammenarbeit gesprochen wird. Die partnerschaftliche und gleichberechtigte Zusammenarbeit der beiden Direktor*innen von Mahapach-Taghir – von denen eine jüdisch und die andere palästinensisch ist – sendet ein starkes Signal an die Communities, nämlich: dass eine jüdisch-palästinensische Partnerschaft nicht nur möglich ist, sondern darüber hinaus eine Organisation stärken und festigen kann.

 

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