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Mit der deutschsprachigen Webseite des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung möchten wir mannigfaltige Stimmen des progressiven Israels hörbar machen. Damit soll eine interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit bekommen, Innenansichten hiesiger Verhältnisse und Kämpfe zu erhalten und lokale Akteure kennenzulernen.

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Combatants for Peace – Kämpfer für den Frieden

„Kämpfer für den Frieden“, so nennt sich eine 2005 von PalästinenserInnen und Israelis ins Leben gerufene binationale Bewegung. Die BegründerInnen waren auf beiden Seiten aktiv am Kreislauf der Gewalt beteiligt und arbeiten jetzt zusammen, um diesen zu durchbrechen.

Die „Kämpfer für den Frieden“ sind AnhängerInnen eines gewaltfreien Aktivismus. Die Bewegung ist davon überzeugt, dass Gewalt lediglich weitere Gewalt hervorbringt und dass der Konflikt von keiner Seite militärisch gelöst werden kann, sondern nur durch gemeinsames gewaltloses Vorgehen. Dabei ist es wichtig hervorzuheben, dass Gewaltfreiheit nicht Passivität bedeutet, sondern vielmehr eine andere Form des Kampfes, die darauf abzielt, die politische Realität zu ändern.

Die beiden nationalen Gruppen, die palästinensischen und die israelischen „Kämpfer für den Frieden“, können darüber, wie sie die Überzeugungen und Ziele der Bewegung umsetzen, bis zu einem gewissen Grad selbst entscheiden, wobei stets die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Belange beider Gruppen zu berücksichtigen sind. Die Bewegung ist sich bewusst, dass die politische Situation in der Region von einem asymmetrischen Machtverhältnis, in dem Israel die eindeutig  stärkere Position innehat, geprägt ist und lehnt dieses Dominanzverhältnis ab. Von daher legt sie besonders großen Wert darauf, dass in der eigenen Bewegung israelischen und palästinensischen Mitglieder den gleichen Einfluss haben.

Die Grundlage für die „Kämpfer für den Frieden“ ist der Dialog, sie sind jedoch kein Gesprächskreis. Dialog ist ein Mittel, um die Bewegung zu stärken und sie zu einer wirkungsvollen Plattform auszubauen, die in der Lage ist, politisch Einfluss auszuüben.

Da die israelische Besatzung der palästinensischen Gebiete für die Mitglieder von CFP die zentrale Manifestation des bestehenden Konflikts und der Hauptgrund für die Gewalt zwischen Israelis und PalästinenserInnen ist, sieht die Bewegung ihr wichtigstes unmittelbares Ziel darin, die Besatzung zu beenden. Aufgrund der Machtasymmetrie wenden sich die CPF vorwiegend an die israelische Öffentlichkeit, sie sind jedoch der Ansicht, dass die palästinensische Seite ebenfalls Verantwortung für den Konflikt und dessen Entwicklung trägt. Dementsprechend sehen die CFP ihre Aufgabe darin, mehr Möglichkeiten und Orte zu schaffen, wo Israelis und PalästinenserInnen praktisch zusammenarbeiten können, ohne dabei ihre Verbindung zum Mainstream ihrer jeweiligen Gesellschaft zu verlieren. Die CFP wollen mit ihren Aktivitäten mehr Menschen von beiden Seiten zusammenzubringen und schlussendlich damit die Erkenntnis stärken, dass Besatzung und Gewalt die Zukunft aller Menschen in der Region ruinieren.

Die „Kämpfer für den Frieden“ fordern von der Politik, klare Schritte zu unternehmen und mit ernsthaften Verhandlungen zu beginnen, um den Konflikt zu lösen, anstatt weiterhin unabgesprochen Maßnahmen zu ergreifen, die diesem Ziel entgegenstehen, wie etwa die Errichtung von Siedlungen in der Westbank und in Ost-Jerusalem, deren Zweck es ist, den Konflikt weiter zu schüren und einen wirklichen Frieden zu verhindern.

Die CFP unterstützen die Forderung nach Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staats an der Seite Israels innerhalb der Grenzen vom 4. Juni 1967, mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Die Zukunftsvision beinhaltet die friedliche, sichere und nachbarschaftliche Koexistenz beider Länder.

 

Was tun die „Kämpfer für den Frieden“?

Den Kern der Bewegung machen binationale lokale Aktivistengruppen aus, die in verschiedenen Gebieten der Westbank und in Israel tätig sind. Jede dieser Gruppen ist selbst ein Beispiel dafür, wie eine israelisch-palästinensische Partnerschaft in der Praxis aussehen kann, und dient als regionale Basis für diverse Projekte und Aktivitäten. Dazu gehören Führungen durch die besetzten Gebiete, bei denen Israelis einen Einblick in den Besatzungsalltag erhalten, gemeinsame Protestaktionen und Friedenskundgebungen, die Israelis und PalästinenserInnen zusammenbringen, Solidarität sowie gegenseitiges Vertrauen fördern. Hinzu kommen als wichtigstes Mittel, um Botschaften und Anliegen der „Kämpfer für den Frieden“ in beide Öffentlichkeiten zu tragen, regelmäßige Versammlungen in privaten Wohnungen. Bei ihren Protest- und Solidaritätsaktivitäten nutzen die CFP Methoden wie die des „Theaters der Unterdrückten“, sie arbeiten zum Beispiel mit der Theatergruppe „Bread and Puppet“ zusammen. Die Bewegung hilft aber auch ganz konkret DorfbewohnerInnen und andere PalästinenserInnen, die unter der Besatzung leiden, bei Problemen etwa mit den Behörden. Besonders engagiert ist die Bewegung in der Region von Nahleh, südlich von Bethlehem und östlich der jüdischen Siedlung Efrat. In diesem Gebiet kommt es immer wieder zu illegaler Landkonfiszierung. Die israelische Regierung will hier größere Siedlungsvorhaben umsetzen. Diese sind Teil eines Plans der israelischen Regierung und der Siedlerbewegung, das Gebiet rund um Bethlehem von der Hebron-Region abzuschneiden, womit dem Bemühen um Frieden und um Aufbau eines existenzfähigen palästinischen Staates ein weiterer riesiger Stein in den Weg gelegt würde.

Zusätzlich zu den Aktivitäten der lokalen Gruppen organisieren die „Kämpfer für den Frieden“ Veranstaltungen für die allgemeine Öffentlichkeit. Dazu gehört die Veranstaltungsreihe „Learning for Peace“, mit der beabsichtigt ist, das Verständnis der verschiedenen Aspekte und Dimensionen des Israel-Palästina-Konflikts zu fördern und zu vertiefen, Wege des gewaltfreien Kampfes gegen die Besatzung auszuloten und die CFP in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen. Seit 2015 findet diese Veranstaltungsreihe in den Räumen des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt.

Die größte öffentliche Veranstaltung der „Kämpfer für den Frieden“ ist die „Alternative israelisch-palästinensische Gedenkfeier“, die am Vorabend des offiziellen Gedenktages in Israel zur Erinnerung an die gefallenen israelischen Soldaten und Opfer des Terrorismus in Tel Aviv stattfindet und auf der sowohl Israelis und PalästinenserInnen Reden halten und über ihre persönlichen Erlebnisse berichten, begleitet von musikalischen Darbietungen. Mit dieser Veranstaltung soll der allgemein akzeptierten kollektiven Erzählung, die mit den staatlich gelenkten Feierlichkeiten gefördert wird, ein anderes Narrativ entgegengestellt werden: dass Krieg kein unabänderlicher Zustand ist und dass es in unserer Macht liegt, die Gewalt zu beenden und weiteres Sterben und Blutvergießen zu verhindern. Diese Alternativfeier, zu der jedes Jahr mehr Menschen kommen, organisieren die CFP seit 2006. Im Jahr 2015 nahmen 3.200 Menschen teil und mehr als 5.000 sahen sich die Veranstaltung im Internet an. Seit 2011 unterstützt das Regionalbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Israel die Durchführung dieser alternativen Gedenkfeier der „Kämpfer für den Frieden“.

cfpeace.org/
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